Das Klettererlebnis in Münchens Hallen hat sich von den Gebirgswänden emanzipiert. Und rockt mehr denn je!
Die Berge rufen. Und wenn ich ihrem Ruf lange nicht gefolgt bin, dann passen sie mich auf meinem Weg zur Arbeit ab. Kommt die S-Bahn in München-Laim zum Halten, gibt das Abteilfenster den Blick frei auf die Fürstenrieder Straße. Dort, am Ende der Straße, stehen sie im Morgenlicht beieinander, die Zugspitze und die anderen, und lassen mich spüren, wie sehr sie mir fehlen.
Der Föhnwind heizt die Sehnsucht nach dem Gipfelglück so richtig an, denn dann erscheinen sie zum Greifen nah: Im Osten der Wendelstein gefolgt von Benediktenwand, Herzogstand und Heimgarten. Weiter westlich das Ettaler Manndl, das Hörnle und die Gipfel der Ammergauer Alpen.
Ich liebe die Berge und für mich gibt es nichts Schöneres, als über Pfade und Klettersteige zum Gipfelkreuz aufzusteigen und dort oben die wunderbaren Ausblicke auszukosten.
Ich liebe die Berge und für mich gibt es nichts Schöneres, als über Pfade und Klettersteige zum Gipfelkreuz aufzusteigen und dort oben den Stolz auf die eigene Leistung und die wunderbaren Ausblicke auszukosten. Meistens bin ich dort oben nicht lange alleine, denn viele Menschen aus der Gegend sind „Bergfexe“, leidenschaftliche Bergfans, die statt Haustieren lieber den innigen Kontakt zu ihren Hausbergen pflegen und die ihre Freizeit am liebsten dort verbringen.
Selbst die bayerischen Könige gingen gerne zu Fuß ins Gebirge. Maximilian II. zum Beispiel war oft mit großem Hofstaat unterwegs und seine Gemahlin Kronprinzessin Marie von Bayern machte als erste bayerische Alpinistin die Berge unsicher. Der gemeinsame Sohn, Märchenkönig Ludwig II., feierte exzentrische Geburtstagspartys auf dem Schachenhaus bei Garmisch-Partenkirchen, einer Art Luxusberghütte mit orientalischen Einbauten, die noch heute zu bewundern sind.
Kraxeln ist in! Leider hat man mindestens eine Stunde Anfahrtszeit und die meisten müssen ja auch noch ein bisschen arbeiten. Dafür gibt es im Stadtgebiet und im näheren Umland von München indoor wie outdoor zahlreiche Möglichkeiten zum Klettern und Bouldern für alle Schwierigkeitsgrade. Herzlich willkommen sind auch Gäste auf Städtetrip in München, die nicht auf ihren Lieblingssport verzichten möchten. Equipment ist in den Hallen völlig unkompliziert auszuleihen.
Klettern setzt ein Hochgefühl frei, wie ich es zuletzt als Kind kannte, wenn ich einen Baum, eine Mauer oder das Schuppendach erklommen hatte: die Freude an der eigenen Beweglichkeit und das richtige Maß an Nervenkitzel.
Im Stadtteil Thalkirchen befindet sich mit dem DAV Kletter- und Boulderzentrum München die größte Kletterhalle, am Ostbahnhof mit der Boulderwelt München Ost die größte Boulderhalle der Welt. 2015 eröffnete das DAV Kletter- und Boulderzentrum München-Nord in Freimann in unmittelbarer Nachbarschaft zur Allianz Arena.
Im Osten Münchens gibt es zusätzlich noch das Heavensgate und das High East, im Münchner Westen die Boulderwelt München West und das DAV Kletterzentrum in Gilching. Hallenklettern ist im Vergleich zum Felsklettern wesentlich sicherer. Hier trifft mich kein Steinschlag und auch kein Wetterumschwung. Und dabei muss ich noch nicht einmal auf Frischluft verzichten. Die meisten Kletter- und Boulderhallen verfügen über großzügige Außenanlagen.
Die wenigsten kommen hierher, um für den „Ernst am Fels“ zu trainieren. Aber ernst ist es ihnen schon mit ihrem Sport, der mehr ist als das, eher schon eine Art von Lifestyle mit Suchtpotential. Klettern setzt ein Hochgefühl frei, wie ich es zuletzt als Kind kannte, wenn ich einen Baum, eine Mauer oder das Schuppendach erklommen hatte: die Freude an der eigenen Beweglichkeit und das richtige Maß an Nervenkitzel. Und nie schmeckt die Pizza oder der Burger besser als bei der obligatorischen Diskussion der eigenen Tagesform und der Tücken einzelner Routen in den Kletterhallencafés. Es wundert mich nicht, dass mittlerweile fast ein Drittel der Münchner Alpenvereinsmitglieder auch aktiv klettern.
Viel Spaß und Erfolg beim Klettern und Bouldern in und um München!